Sie haben alles für eine bestmögliche Wärmedämmung an Ihrem Haus getan und dennoch erscheinen Ihnen die Heizkosten als zu hoch. Irgendwie werden Sie das Gefühl nicht los, es zieht im ganzen Haus. Besonders unangenehm in Ihrer Sitzecke, aus der Steckdose.

Wahrscheinlich haben Sie bei der Bauausführung auf die Kontrolle der Luftdichtheit verzichtet. Zu spät ist es dennoch nicht, möglicherweise erwartet Sie aber ein höherer Aufwand zur Beseitigung der Unzulänglichkeiten in der Luftdichtheitsebene. Zur Vermeidung von Folgeschäden sollten Sie diese aber keinesfalls scheuen.

Warum luftdicht?

Dämmwirkung

Stellen Sie sich vor, Sie fahren in der kalten Jahreszeit mit Ihrem Rad. Bekleidet sind Sie mit Ihrem flauschigen Pullover. Je schneller Sie fahren, desto mehr Fahrtwind durchströmt das Kleidungsstück. Ihnen wird kalt. Sie ziehen eine dünne Jacke aus winddichtem Material über Ihren Pullover und fühlen sich sofort wieder richtig wohl.

Was ist geschehen? Die Dämmwirkung Ihres Pullovers basiert auf dem Einschluss ruhender Luft in den Fasern. Wird diese Luft bewegt, verliert das Material seine Dämmwirkung. Auf dieser Basis funktioniert die Dämmung an Ihrem Haus. Wird die Wärmedämmung von Luft durchströmt, geht ein Teil des Wärmedämmvermögens verloren. Noch kritischer ist der Verlust des Wärmedämmvermögens aufgrund von Feuchtigkeit im Material.

Energieverluste

Bei den Energieverlusten am Haus ist zwischen Transmissionswärmeverlusten über die Wärmedämmung und Lüftungswärmeverlusten zu unterscheiden. Während bei der Wärmedämmung ein hoher Standard erreicht ist, wurde der Senkung der Lüftungswärmeverluste lange Zeit nicht genügend Beachtung geschenkt. Untersuchungen haben gezeigt, dass in wärmegedämmten Gebäuden bemerkenswerte Mengen warmer Luft durch Lecks in der Gebäudehülle verloren gehen. Die Raumheizung wirkt wie ein Kamin. Warme Raumluft steigt auf und entweicht durch vorhandene Lecks im Dachbereich. Eine entsprechende Menge kalter Außenluft strömt im unteren Bereich des Gebäudes nach. Es entsteht Zugluft und in den Bereichen des Kaltlufteintritts kann es aufgrund Taupunktunterschreitung zu Schimmelbildung kommen. Auch im Dachbereich sind Schäden vorprogrammiert. Die warme und relativ feuchte Innenluft kühlt sich auf ihrem Weg durch die eigentlich luftdichte Ebene ab und lässt Feuchtigkeit in der Dachkonstruktion zurück.

Die im Dämmmaterial auskondensierte Feuchtigkeit verringert massiv dessen Dämmwirkung, da nun die dämmenden Lufteinschlüsse durch Wasser ersetzt sind. Grundlagen für Fäulnis und Schimelbildung in der Dachkonstruktion sind gelegt.

Wohlfühleffekt

Sie sitzen an einem kalten Wintertag in Ihrem Lieblingssessel im ausgebauten Dachgeschoss. Ein Wohlfühleffekt will jedoch nicht recht aufkommen, Ihnen ist kalt. Sie denken an Ihren Heizungsbauer und kontrollieren wieder die Heizkörper. Diese aber sind heiß. Sie haben einen Verdacht, die Wärmedämmung. Dabei haben Sie aber während des Dachausbaues mit eigenen Augen gesehen, wie sorgfältig die Dämmung eingebracht wurde.

Was Sie nicht wissen, hinter Ihrer Wandverkleidung spielt sich ein regelrechtes Drama ab. Kalte Außenluft strömt durch die Dämmung, nichts mit ruhender Luft. Die Dämmwirkung ist dahin, die Wände sind kalt und die Heizung gibt weiterhin ihr bestes. Der Wohlfühleffekt kann nicht erreicht werden, da sich die Wandtemperatur nicht in der Nähe der Raumlufttemperatur befindet.

Taupunktunterschreitung

Jeder kennt den Effekt, das gekühlte Gefäß aus dem Kühlschrank fängt in der Raumluft sofort mit “schwitzen” an. Dieser Effekt, eingetreten an abgekühlten Bauteilen der Gebäudehülle wird dort in kürzester Zeit zum Problemfall. Der Hintergrund: Die Fähigkeit der Luft, Feuchtigkeit aufzunehmen, ist von ihrer Temperatur abhängig. Je höher die Lufttemperatur, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Kühlt sich diese feuchtegeladnen Luft auf ein bestimmtes Maß ab (Taupunkt), kondensiert die Luftfeuchte aus. Die Grundlage für Schimmelpilzbildung in Wohnräumen ist gelegt.